Erst wenn es fehlt, wird es vermisst
Selbstverständlichkeiten fallen erst auf, wenn sie plötzlich fehlen. Was ein Quartier lebendig macht, entsteht oft im Stillen – durch Menschen, die sich engagieren.
Roman Wasik – An gewisse Dinge, Umstände und Routinen gewöhnt sich der Mensch, ohne sie weiter gross zu hinterfragen. Er nimmt Angebote des täglichen Lebens als selbstverständlich an, dankbar genutzt und konsumiert. Wenn möglich gern gratis, ohne grossen Aufwand und am liebsten jederzeit. Das ist normal und so ticken wir Menschen nun halt mal. Auch in Wipkingen. Wir freuen uns über die bunten Gemüse- und Früchtetheken am Frischwarenmarkt. Über das Singen im Rudel und den Nachbarschaftstag. Wir setzen uns gerne auf die bereitgestellten Bänke und Liegen, wenn auf dem Röschibachplatz ein Endspiel einer Fussballmeisterschaft auf Grossleinwand gezeigt wird. Und wir quatschen und tratschen gerne mit Kolleginnen und Freunden am Weihnachtsmarkt, wo wir uns vielleicht bereits mit ersten handgefertigten Geschenken eingedeckt haben. Es gibt Dinge, die sind einfach, wie sie sind.
Das gewisse Etwas
Doch was, wenn sie nicht sind? Was, wenn normal eben nicht selbstverständlich ist? Was, wenn der Röschibachplatz am Samstagmorgen leer bliebe und keine Äpfel, Salate, geräucherten Fische oder Blumen angeboten würden? Wenn der Weihnachtsbaum im Advent dunkel dastünde, statt bunt geschmückt und die Weihnachtsbeleuchtung nur an der Bahnhofstrasse schiene? Wenn der Garten über den Gleisen statt grüner Oase nur ein ungenutzter Platz in Grau wäre? Dann würde doch fehlen, was ein Quartier ausmacht: das gewisse Etwas! Das, was eben mehr ist als der Standard. Das, was Leuten auffällt, weil es nicht erwartet wurde. Es würde freiwilliges Engagement für ein lebendiges Quartier fehlen. Es würden Leute fehlen, die Tische und Bänke für das Endspiel aufstellen. Die an Sitzungen Anlässe, Anliegen aus der Bevölkerung oder Entwicklungen im Quartier besprechen.
Kurz und knapp: Es wäre grauer. Die Welt ginge nicht unter und in Wipkingen liesse es sich weiterhin ganz passabel wohnen. Aber nicht so bunt, angenehm und erfreulich wie heute. Aktuell engagiert sich der Quartierverein beispielsweise dafür, dass der mobile Recyclinghof nicht, wie von der Stadt geplant, im Schulhaus Waidhalde stattfindet, sondern weiterhin zentral und einfach erreichbar. Alle, die ihren kaputten Kühlschrank nicht in der Schubkarre den Käferberg hochschieben möchten, werden es danken …
Unscheinbar, aber effektiv
Ob Quartierentwicklung oder Sprachrohr der Bevölkerung; der Quartierverein arbeitet unscheinbar, aber effektiv. Für die Gemeinschaft und ein schönes Miteinander. Das mag selbstverständlich wirken, aber gratis ist es nicht. Und deshalb braucht es Mitglieder, die diese Freiwilligenarbeit unterstützen. Es braucht Gönner, denen es wert ist, 30 Franken im Jahr für soziales Engagement in der eigenen Wohnumgebung auszugeben (übrigens von den Steuern abziehbar).
Verpflichtung für Mitglieder gibt es keine. Der eigentliche Sinn einer Mitgliedschaft ist ein anderer: Es geht darum, dass diese vielen kleinen Dinge weiterhin stattfinden können und für alle erlebbar sind. Je mehr mitmachen, desto mehr ist möglich. Und ja, selbstverständlich kann man all diese Dinge auch ohne Mitgliedschaft erleben. Aber ein Quartier ist doch nur so toll, wie die Leute, die es tragen, mitgestalten und beleben. Es ist, wie im richtigen Leben auch, immer ein Geben und Nehmen. In diesem Sinne freuen wir uns auf viele neue Mitglieder! Gönnen Sie sich Wipkingen:
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