Mobiler Recyclinghof in der “Waidhalde”: Eine Sackgasse für Wipkingen?
Das neue Konzept “Entsorgen im Quartier” sollte eigentlich alles einfacher machen. Doch für Wipkingen bedeutet die Standortwahl im Jahr 2026 vor allem eines: Steile Wege, Barrieren und Unverständnis. Während der Quartierverein Wipkingen (QVW) auf eine Antwort der Stadt wartet, rücken die Wahlen näher – und die Entsorgungs-Sorgen bleiben.
Seit dem 1. Januar 2025 sind die bewährten Entsorgungs Coupons für alle Geschichte. Ersetzt wurden sie durch „Mobile Recyclinghöfe“. Das Ziel der Stadt: Abfallvermeidung durch Tauschen und Reparieren sowie eine CO2-freie Anlieferung zu Fuss, mit dem Velo oder dem Handkarren. Was auf dem Papier nach einer grünen Idylle klingt, entpuppt sich in der Wipkinger Geografie als handfester Schildbürgerstreich.
Der Berg ruft – aber niemand kommt hoch
Im Jahr 2025 fand die Aktion viermal zentral auf dem Röschibachplatz statt. Für 2026 hat die Stadtverwaltung (ERZ) jedoch das Schulhaus Waidhalde als Standort festgelegt.
Die Kritik aus der Bevölkerung ist massiv und erreicht den Quartierverein über zahlreiche Kanäle. Die Hauptargumente der Anwohner:
- Topografische Barrieren: Der Weg zur Waidhalde führt über steile Strassen wie die Scheffelstrasse. Für ältere Menschen oder Personen mit schweren Gegenständen im Handkarren ist dies kaum bewältigbar.
- Gefährliche Infrastruktur: Um vom unteren Teil des Quartiers (z.B. Nordstrasse) zum Schulhaus zu gelangen, müssen Unterführungen und Treppen überwunden werden.
- Fehlende Erreichbarkeit: Es gibt keine direkte ÖV-Verbindung zum Schulhaus, was den Transport von sperrigen Gütern ohne Auto faktisch unmöglich macht.
- Ungünstige Zeiten: Während andere Quartiere Wochentage nutzen, ist für Wipkingen der Samstag vorgesehen – für viele Berufstätige und Familien ein suboptimaler Termin.
Quartierverein Wipkingen bemüht sich um besseren Standort
Der Vorstand des Quartiervereins Wipkingen (QVW) zeigt sich konsterniert über die mangelnde Ortskenntnis der Verantwortlichen. In einem offiziellen Brief an Stadträtin Simone Brander vom 19. Januar 2026 forderte der QVW eine unverzügliche Verlegung des Standorts an einen zentralen, für alle Altersgruppen barrierefreien Ort. Besonders stossend: Der Quartierverein wurde in die Standortwahl vorab nicht miteinbezogen.
Warten auf die Antwort: Taktik oder Überlastung?
Obwohl das Sekretariat des Departements den Erhalt des Schreibens am 21. Januar 2026 bestätigt hat, bleibt eine inhaltliche Antwort bis heute 23.2.2026 aus. In Anbetracht der bevorstehenden Wahlen am 8. März 2026, bei denen die zuständige Stadträtin erneut kandidiert, drängt sich ein unschöner Verdacht auf: Soll das Problem bis nach dem Urnengang ausgesessen werden?
„Wir sind bereit, Hand bei der Suche nach einem besseren Standort zu bieten“, betont der QVW in seinem Schreiben. Doch dazu braucht es den Dialog seitens der Stadt – und zwar vor dem ersten Termin im Juni, nicht erst nach den Wahlen.
Wir bleiben für Sie am Ball und informieren Sie, sobald – und ob – die Stadtverwaltung ein Einsehen hat.