StädtebauVerkehr

Neugestaltung Bahnhofsareal Wipkingen

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Wer aufmerksam am Bahnhofsgelände vorbeigeht, entdeckt die Baugespanne hinter der Bushaltestelle Nordbrücke und entlang den Bahngleisen. Die SBB und die Stadt Zürich gestalten das Bahnhofsareal neu. Bis zum 21. September 2021 lagen die Pläne öffentlich auf. Wir haben sie für euch angesehen.

Mächtig wird das neue Portal bei der Bushaltestelle an der Nordbrücke: Es ist ein in Metall und Glas gestaltetes Mahnmal, das für einen neuen SBB-Brutalismus steht. Mit dem Charme eines Recyclinghofs soll die Haltestelle in Zukunft den wartenden Busreisenden Schatten spenden oder bei Regen ein Dach bieten. Wir vom Quartierverein (QV) hätten uns hier eine filigranere Konstruktion gewünscht, die sich harmonisch ins Quartier einfügt.

Es gibt aber auch Positives zu berichten. Über zwei neue Liftanlagen links und rechts wird der Zugang zu den Gleisen erstmals barrierefrei möglich. Alternativ ist die Anbindung auch über zwei Treppenanlagen links und rechts der Lifte gewährleistet. Bis anhin gab es nur einen Zugang auf der Seite des Restaurants Nordbrücke. Ausserdem wird das südliche Trottoir auf der Nordbrücke – endlich – um rund einen Meter fünfzig verbreitert. Damit können nun auch die vielen Kinderwagen die wartenden Reisenden gefahrlos kreuzen.

Verlegung der beiden Bahngleise in die Mitte

Das Mittelperron wird aufgehoben. Die Züge verkehren künftig also in der Mitte. Dafür werden zwei neue Perrons auf beiden Seiten der Gleise erstellt. Auf der linken Seite geht es Richtung Hauptbahnhof und auf der rechten Seite Richtung Oerlikon. Der Zugang auf die beiden Perrons erfolgt in Zukunft also von beiden Seiten her. Der Zugang zum linken Perron ist zusätzlich über die Nordbrücke per Lift und Treppe, aber auch wie bisher, über den Zugang Rousseaustrasse möglich. Neu wird dieses Perron im Süden zusätzlich vom Lettenfussweg her erschlossen. Damit wird das Lettenquartier mit den Siedlungen der verschiedenen Baugenossenschaften direkter an den Bahnhof angebunden.

Durchgang Süd wird durchlässig und barrierefrei

Die bisherige Unterführung an der Dammstrasse wird etwas weiter nach unten in Richtung Stadt verlegt. Neu wird sie die beiden Gleise untertunneln, so dass der Zugang auf das Perron in Richtung Hauptbahnhof weiterhin möglich ist. Neben der Unterführung entstehen auf beiden Seiten der Gleise je eine Treppe und eine Rampe. Durch die Unterführung wird eine neue direkte Quartierverbindung vom Lettenfussweg zur Damm- beziehungsweise Habsburgstrasse möglich. So positiv diese Neuerungen sind, so negativ fällt die beabsichtigte Ausführung ins Gewicht. Statt begrünter, hitze- und lärmmindernder Bahnborde sind mächtige Betonwände geplant. Hier besteht unserer Meinung eindeutig ein grosser Verbesserungsbedarf.

 

Begegnungszone Dammstrasse wird ausgeweitet

Parallel zu den Bauarbeiten der SBB wertet die Stadt Zürich den nördlichen Teil der Dammstrasse entlang des Bahndamms mit einer Begegnungszone auf. Dies geschieht im Rahmen des Konzepts zur Stärkung des Quartierzentrums. Baubeginn dürfte der Sommer 2024 sein.

Es braucht noch Geduld

Das Plangenehmigungsverfahren läuft bis zum Februar 2023. Frühestens ab März 2023 kann dann gebaut werden. Mit dem Ende der Bauarbeiten ist nicht vor Ende Mai 2025 zu rechnen.

Streckensperrungen notwendig

Die umfangreichen Bauarbeiten an den Gleisanlagen können leider nicht ohne massive Einschränkungen des Bahnverkehrs durchgeführt werden. Ein ganzes Jahr lang wird die Strecke von Wipkingen zum Hauptbahnhof gesperrt. Von Dezember 2023 bis Dezember 2024 verkehrt die S-Bahn 24 dann als Shuttle von Oerlikon nach Wipkingen und anschliessend wieder zurück nach Oerlikon.

3 Kommentare zu “Neugestaltung Bahnhofsareal Wipkingen”

  1. Dietmar Logoz schrieb am:
    13. Oktober 2021 um 23:20 Uhr

    Die Begegnungszone Dammstrasse wird gemäss Baugesuch mit einer Reihe von Bäumen bepflanzt werden (fehlen auf dem Rendering).

  2. Beni schrieb am:
    3. Oktober 2021 um 12:18 Uhr

    Abgänge von der Brücke zum Bahnhof sehr erfreulich, neue Aufgänge seitens Dammstrasse ebenfalls! Jetzt einfach die Böschung der Dammstrasse schön begrünt lassen und das überdimensionierte Bushäuschen etwas zurückhaltender designen und gut ist!

  3. Peter Färber schrieb am:
    24. September 2021 um 08:52 Uhr

    Die SBB geben sich viel Mühe, den Bereich der Nordbrücke endgültig zu verschandeln. Zum nutzlosen 3 Meter hohen bergseitigen Querbalken und einem erhöhten “Quartierplatz”, den mit Pflanzenkübeln notdürftig aufhübscht, kommt jetzt auf der andern Strassenseite ein Monster von Regendach dazu. Städtebaulich hat das gar nichts mit dem Erscheinungsbild von Wipkingen und dem Bereich um die Nordbrücke zu tun. Wären nicht nur die beiden Lifttürme ausgesteckt, sondern die ganze Konstruktion, gäbe es vermutlich mehr Opposition. So aber lässt man die SBB gewähren. Sie markiert nun mit maximaler Dominanz bis in den Strassenbereich hinein, dass hier ein “Bahnhof “steht. Viel Aufhebens für die zwei Züge stündlich in jeder Richtung. Was müsste dementsprechend die VBZ hinklotzen für ihre 40 Bussen pro Stunde? Nachdem die 4 Durchgangsgleise und das “quartierbildende” Hochhaus erfolgreich verhindert werden konnten, scheint das eine weitere Rache der SBB am Quartier zu sein: Neben dem misslungenen “Quartierplatz”, dem Abbau der S-Bahn-Verbindungen auf das Minimum wird nun auch noch das Restaurant Nordbrücke und die Aussicht auf den Uetliberg verstellt. Anstelle des monströsen Daches würde die SBB besser den Ticketschalter im ehemaligen Bahnhofsgebäude wieder in Betrieb nehmen, davon hätten wir alle mehr. Das Regendach sollte sie den VBZ überlassen, damit wenigstens hier noch eine Symmetrie der beiden Haltestellen gewährleistet ist und dem Gigantismus Einhalt geboten wird.
    Ganz nebenbei wird auch noch die Dammstrasse mit den neuen Seitenperrons zur Betonwüste, da hilft auch keine “Begegnungs- und Spielzone” auf der Einfahrseite des Röschibachplatzes. Es gäbe sicher bessere Lösungen auf der Basis der bestehenden Struktur. Aber nur eine Gleisbegradigung erlaubt noch höhere Durchfahrtsgeschwindigkeiten und mehr Züge. Besteht hier die Aussicht auf zusätzliche S-Bahn-Anschlüsse?

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